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Erfahrungsbericht 3

Im Spital war ich schon überrascht wie viel unser Kleiner schrie. 

 

Die Hebammen dort waren gegen Nuggis, doch in unserem Fall machten Sie eine Ausnahme.

Doch es brachte nicht viel. Zu Hause nahm er den Nuggi nicht mehr. Erst wieder, als er 7 Monate alt war.

 

Als wir nach Hause kamen hatte mein Mann zum Glück auch 2 Wochen frei. Und wir konnten das schreiende Baby abwechslungsweise

herumtragen. Vor allem abends schrie er ohne Pause,

von 18.00 – 22.30 Uhr durch! 

Horror!

 

Und das jeden Abend über Wochen.

Tagsüber auch, plötzlich aus dem Nichts. 

 

Ich hatte Angst alleine einkaufen zu gehen, da ich ihn ja nicht beruhigen konnte, wenn er schrie.

So isolierte ich mich immer mehr.

Selbst nach draussen spazieren kostete mich viel Überwindung, da er auch im Wagen nicht zu beruhigen war. Trotzdem ging ich jeden Tag nach draussen – weil es auch mir guttat.

 

Autofahren half, dass er mal 30min schlafen konnte. Ich konnte auf die Uhr schauen, danach ging es wieder los. Ich war total übermüdet, und so wurde auch gefährlich zu fahren. Jedes Anhalten an einer Ampel oder ein abbiegendes Auto konnte wieder Auslöser sein für Schreien.

 

Ich dachte anfangs das ist normal. weil ich vorher keine Eltern kannte mit kleinen Babys.

Als ich dann hier Kontakte fing an zu knüpfen mit anderen Mamis die am Spazieren waren mit ihren friedlichen Babys, merkte ich, dass das Schreien nicht unbedingt normal ist. 

Ich war irgendwie erleichtert, denn ich dachte, wieso sehen die alle so happy aus und ich völlig am Ende.

 

So informierte ich mich. Beim Kinderarzt hiess es: ein bisschen ein unruhiges Kind mit 3-Monats-Koliken. Nach 3 Monaten wird es besser.

Ebenso beim Osteopathen hat es nichts gebracht.

 

Da ich noch stillte, achtete ich peinlich genau auf alles was ich ass, ich wollte ja nicht, dass es meinem Sohn deswegen schlecht ging.

Ich liebte meinen kleinen Schatz über alles, dennoch war ich einfach nur traurig, weil ich dachte,  jetzt habe ich endlich das langersehnte Kind (5 Jahre danach IVF) und dann kann ich es einfach nicht geniessen.

Es war ein Kampf, den nächsten Tag irgendwie zu überstehen. Mit der Hoffnung, dass es besser wird.

Tag und Nacht habe ich alle 2h gestillt. Heute würde ich, wenn ich wieder in derselben Situation wäre, auf Schoppen wechseln, um einen längeren Abstand zu bekommen. Wenn ich nachts 3-4h Schlaf hatte (nicht am Stück) war es viel.

 

Da meine Nerven so dünn waren, verhielt ich mich meinem Mann gegenüber auch sehr gereizt und oft unfair. Er half jeden Abend nach der Arbeit mit Herumtragen. Ich bin so froh, dass er immer zu mir gehalten hat, obwohl ich ausser mir war! Ohne seine Hilfe und die Hilfe von meiner Mama weiss ich nicht, wie ich das überstanden hätte.

 

Ich schaute, dass mein Sohn tagsüber so wenig Eindrücke wie möglich erhielt.

Nicht in einen Laden einkaufen gehen. Besuch so wenig wie möglich – am liebsten niemand. Sogar das Radio hatte ich ausgeschaltet, weil ich dachte das ihn das auch belasten könnte.

Das hat auch ein bisschen dazu beigetragen das sich sein Schreien ein bisschen minimiert hatte.

Dies ging sicher die ersten 5-6 Monate so Tag ein Tag aus!!

Weil ich selbst keine Kraft mehr spürte und innerlich nur noch flatterte, bin ich überzeugt, dass ich dies auf mein Baby übertrug.

Ein Teufelskreis.

 

Ich musste jetzt irgendwie zu Kraft kommen! 

Ich ging in die Apotheke und kaufte mir ein Stärkungsmittel für die Nerven, um so mehr Leistung erbringen zu können.

Und ja, ich hatte wirklich nach einer Zeit mehr Nerven. Und auch mein Kleiner wurde ruhiger.

Das war schon mal ein erster Schritt in die richtige Richtung.

 

Dann mit 7,5 Monaten – also sehr früh – begann unser Sohn bereits mit Laufen an der Hand. Und mit 10 Monaten lief er frei!

Er war ein totaler Bewegungsjunkie und das heute noch. Wir sind

täglich – bei Wind und Wetter bis zu 2-6h draussen und laufen, klettern und entdecken. Der Kleine strotz vor Energie und jetzt liebe ich es!!!

 

Ich denke, früher als er noch lag konnte er einfach nicht seine Energie abarbeiten. Und noch heute, wenn unser Sohn länger drinnen sitzen muss oder sich nicht ausreichend bewegen kann, wird er ungeduldig und beginnt zu weinen - was ein himmelweiter Unterschied zu schreien ist.

Doch jetzt kann ich was dagegen tun und schwebe nicht mehr in dieser Ohnmacht, nichts tun zu können und dabei ein Herz voller Liebe zu haben!

Es tat im Herzen weh, wenn man von allen Seiten hörte:

...Mein Baby schläft schon durch seit es 6 Wochen alt ist.

...Schreien tut es nur wenn es Hunger hat.

...Es schläft auch fast den ganzen Tag nur.

...Es ist so zufrieden und ich kann es überall mitnehmen.

...Du musst das und das versuchen... also ich würde...

...Es wird gut eines Tages hört es auf.

...Schreibabys haben nur Eltern die Drogenprobleme haben.

 

Jetzt ist unser Schatz, 18 Monate alt und ein wahrer Sonnenschein! 

Kürzlich waren wir Freunde besuchen, welche auch ein Baby haben. Es ist eines welches seit 6 Wochen durchschläft und nur mal weint, wenn es hungrig ist. Und das erste Mal kam mir der Gedanke, dass ein

Geschwisterchen vielleicht nicht so abwegig ist wie bisher gedacht. Es gibt sie wirklich – die Babys die nicht schreien! Ich bete zu Gott, wenn es nochmals klappen sollte mit einem Baby – das es erstens wieder gesund ist und zweitens kein Schreibaby mehr ist! Ach ja, mit 6 Monaten gingen wir noch zum Osteopathen und da hat es geholfen, dass er noch ruhiger wurde.

Meine Survival- Tipps:
  • Früher mit Schoppen beginnen, weil ich mir schon früher erhoffen würde, vor allem Nachts grössere Abstände zu bekommen – damit mehr Ruhe einkehrt was sich positiv auf beide auswirkt.

  • Nervenstärkungsmittel für die Eltern, um bei Kräften zu bleiben.

  • Im Fliegergriff herumtragen und dazu das Lied „Heaven“ von Gotthard laufen lassen: Hat das Dauerschreien ein wenig beruhigt.

  • Frische Luft und draussen sein. 

  • Nicht mehr so ein Druck machen, neben einem Schreibaby einen perfekten Haushalt haben zu müssen. Das geht einfach nicht.

  • Sich in einem Forum mit Gleichgesinnten austauschen. Das Gefühl zu haben, man ist nicht allein, tut gut und gibt Kraft.

  • Versuchen, den Nuggi zu geben. Ich wäre sehr froh darüber gewesen, wenn er Ihn genommen hätte. Jetzt nimmt er ihn gerne, wenn er mal ein bisschen unruhig wird, aber nicht den ganzen Tag über.