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Schlafen

Wie viel Schlaf braucht ein Säugling? 

Der Schlafbedarf ist in jedem Alter und von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Die meisten Erwachsenen brauchen zwischen 7 und 9 Stunden Schlaf, um leistungsfähig zu sein. Es gibt aber auch solche, die mit 4 Stunden auskommen, oder andere, die 10 Stunden Schlaf brauchen. Dies trifft auch für die Säuglinge und Kleinkinder zu (Abbildung). Die meisten jungen Säuglinge schlafen 14 bis 18 Stunden pro Tag. Einige Säuglinge kommen mit 12 bis 14 Stunden aus, andere schlafen bis zu 20 Stunden pro Tag, wie aus untenstehenden Perzentilen für die Schlafdauer ersichtlich ist.Weil der Schlafbedarf unter gleichaltrigen Kindern so unterschiedlich ist, gibt es keine Regel, die angeben könnte, wie viel Schlaf ein Kind in einem bestimmten Alter benötigt. 

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Wie lehrt man einen Säugling, dass er nachts schläft?
Ab wann darf man erwarten, dass ein Baby durchschlafen kann? Was heisst durchschlafen? 

In den ersten Lebenswochen reifen die zerebralen Strukturen, die dem jungen Kind das Durchschlafen ermöglichen. Im weiteren Verlauf festigt das Kind seine Tagesstrukturen. Die innere Uhr (zirkadianen Rhythmus) passt sich den wichtigsten Zeitgebern Licht und soziale Ereignisse (Ernährung, Pflege, Spiel, soziale Kontakte) an. Diese Entwicklung verläuft je nach Kind unterschiedlich schnell. So wie einige Kinder bereits mit 10 Monaten die ersten Schritte machen, während andere erst mit 17 Monaten frei gehen, gibt es Säuglinge, die bereits im ersten Monat durchschlafen, während andere erst mit fünf Monaten dazu in der Lage sind. Immerhin: 70% aller Säuglinge schlafen Ende des dritten Lebensmonates durch. Was heisst durchschlafen? Es bedeutet, dass der junge Säugling zwischen zwei Schlafzyklen von je 3 bis 4 Stunden Dauer nicht aufwacht und schreit. Durchschlafen bedeutet also 6 bis 8 Stunden aneinander schlafen. Es wäre unrealistisch zu erwarten, dass ein Säugling von 7 Uhr abends bis 7 Uhr morgens schläft. Die Eltern können das Kind in seiner Entwicklung zu einem regelmässigen Schlaf-Wach-Rhythmus unterstützen, bestimmend aber bleibt das Kind. In den ersten drei Lebensmonaten ist der kindliche Organismus bemüht, sich einerseits an den Tag-Nacht-Wechsel anzupassen und andererseits einen Rhythmus in seine körperlichen und psychischen Aktivitäten zu bringen. Diese Aufgaben löst jeder Säugling unterschiedlich rasch. Viele Säuglinge haben einen starken inneren Drang zur Regelmässigkeit. Der Ablauf ihres Trinkverhaltens, Einschlafens und Aufwachens gleicht nach einigen Lebenswochen einem Uhrwerk. Diese Kinder schlafen früh durch. Andere Kinder melden ihre Hunger- und Schlafbedürfnisse über Monate zu immer anderen Tages- und Nachtzeiten an. Sie brauchen die Unterstützung der Eltern, um zu Konstanz und Regelmässigkeit in ihrem Wach- und Schlafverhalten zu kommen. Sie sind auf ihre Eltern als Zeitgeber angewiesen. Wird der Tagesablauf durch die Eltern strukturiert, hilft das dem Kind seine innere Uhr (zirkadianer Rhythmus) einzustellen. Werden diese Kinder hingegen sich selber überlassen, gelingt es ihnen oft nicht, eine Konstanz in ihr Schlaf-Wachverhalten zu bringen. Damit verbunden sind hartnäckige Durchschlafstörungen. Oft berichten die Eltern auch über vermehrtes Quengeln am Tag. Regelmässigkeit, zum Beispiel bei den Mahlzeiten oder den Schlafzeiten oder wiederkehrende Rituale, helfen dem Kind, mit dem Tagesablauf rascher vertraut zu werden, was sich wiederum positiv auf sein Wohlbefinden auswirkt. 

 

Wie läuft eine Beratung ab?
Wozu müssen die Eltern ein Schlafprotokoll ausfüllen?
Welche Informationen ersehen Sie daraus? 

In der Beratung werden den Eltern Informationen über alterstypische Aspekte des kindlichen Schlafes und dessen Regulation vermittelt. Es wird auf die Bedeutung eines regelmässigen Rhythmus für die Einstellung der inneren Uhr hingewiesen. Durch das Führen eines Schlafprotokolls wird der Schlaf-Wach-Rhythmus des Kindes veranschaulicht. Zusammen mit den Eltern gilt es, die kindlichen Zeichen von Müdigkeit und Überreiztheit zu erkennen, die optimalen Wachzeiten für das Kind zu bestimmen und entsprechend die Schlafzeiten tagsüber und das Einschlafen am Abend regelmässig zu gestalten. In den ersten Lebensmonaten ist die Einführung eines regelmässigen Tagesablaufes meist die einzige Massnahme, die man empfehlen kann. Bei Kindern nach dem 6. Lebensmonat wird zudem der individuelle Schlafbedarf aus dem Protokoll berechnet und zusammen mit den Eltern ein neuer Schlafplan erstellt. 

 

Wie kann man Schlafstörungen schon im Säuglingsalter vorbeugen? 

Viele Säuglinge haben durch den Einfluss der inneren Uhr bereits einen starken Drang zur Regelmässigkeit beim Trinken, Einschlafen und Aufwachen. Anderen hingegen bereiten die Übergänge zwischen Schlafen und Wachen Mühe oder es gelingt ihnen nicht, ohne die Hilfe der Eltern, eine Konstanz in ihr Schlaf-Wachverhalten zu bringen. Sie melden ihre Hunger- und Schlafbedürfnisse über Monate zu immer anderen Tages- und Nachtzeiten an. Bei diesen Kindern scheint die Reifung vor allem der zirkadianen Regulation verzögert zu sein. Damit verbunden können Durchschlafprobleme auftreten. Um Schlafstörungen zu vermeiden, sollten die Eltern auch immer bedenken, dass ein Kind nur so viel schlafen kann, wie es seinem Schlafbedarf entspricht. Wir beobachten oft, dass die elterlichen Erwartungen an die Schlafzeit des Kindes nicht mit dem Schlafbedürfnis des Kindes übereinstimmen. Muss das Kind jedoch mehr Zeit im Bett verbringen, als es schlafen kann, wird es auf verschiedene Weise reagieren: Es kann am Abend nicht einschlafen, wacht morgens sehr früh auf oder es erwacht nachts mehrmals für längere Zeit. 

 

Schlafen gestillte Babys später als solche die einen Schoppen bekommen? 

Es trifft zu, dass gestillte Kinder nachts häufiger aufwachen und in einem späteren Alter durchschlafen als Kinder, die mit der Flasche ernährt werden. Dies hat verschiedene Ursachen: Gestillte Kinder neigen dazu, pro Mahlzeit weniger Milch zu sich zu nehmen und tagsüber weniger zu trinken. Sie sind daher vermehrt und während längerer Zeit auf eine nächtliche Nahrungszufuhr angewiesen. Andererseits haben stillende Mütter ihre Säuglinge häufiger im gleichen Zimmer und reagieren rascher, wenn diese aufwachen. Gestillte Kinder die Mühe haben einen geregelten Tagesrhythmus aufzubauen müssen nicht abgestilt werden. Regelmässige Tagesabläufe sind mit Stillen durchaus vereinbar. Wird das Kind nachts gestillt, ist es am sinnvollsten, wenn die Mutter den Säugling in Reichweite zum Schlafen legt. Meldet sich das Kind, kann die Mutter ohne aufzustehen, das Kind an die Brust nehmen, es stillen und zurück in sein Bettchen legen. 

 

Wie gewöhnt man einem Baby das Trinken in der Nacht ab, falls es das nicht von selbst lernt? 

Bei perzentilengerecht gewachsenen, gesunden Säuglingen kann man davon ausgehen, dass sie nach dem 6. Lebensmonat nachts während acht Stunden ohne Mahlzeiten auskommen. Den Kindern abends vor dem Einschlafen einen „dicken“ Schoppen oder Brei zu geben, fördert das Durchschlafen nicht. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass angereicherte Flaschennahrung nicht zu einem früheren Durchschlafen führt. Hat sich das Kind aber an die nächtlichen Schoppen gewöhnt sprechen wir von angelerntem Hunger. Das Kind ist an diese Kalorien- und Flüssigkeitsaufnahme gewohnt und würde zu Recht protestieren, wenn man sie von einem auf den anderen Tag weglässt. Die Eltern können durch Verdünnen der Milch und Reduzieren der Gesamtmenge das Kind langsam von der nächtlichen Nahrung entwöhnen. Bei gestillten Kindern ist es oft schwierig, nachts etwas zu verändern. Die Mutter sollte darauf achten, die Stillabstände tagsüber auf 4 bis 5 Stunden auszudehnen, damit das Kind lernt, grössere Mengen Milch auf einmal zu trinken und möglichst tagsüber seinen Kalorienbedarf zu decken. 

 

Ab wann können Einschlafrituale eingeführt werden? 

Ein immer gleich ablaufendes Zu-Bett-geh-Ritual hilft dem Kind beim Ein- und Durchschlafen. Kinder brauchen bereits im ersten Lebensjahr ein grobes Raster, an dem sie sich orientieren können. Dabei spielen regelmässige Abläufe und Rituale, die dem Kind signalisieren, was als nächstes kommt, eine grosse Rolle. Ereignisse werden voraussehbar und vermitteln dadurch Sicherheit und Geborgenheit. Das Einschlafritual soll das Kind zum Schlafen hinführen. Einschlafen sollte es möglichst selbständig, allenfalls mit Hilfe eines Nuggis oder eines Nuschelis. Sind Rituale an Zeitstrukturen gebunden, können sie schon dem kleinen Kind helfen seinen Tagesablauf zu regulieren. Eine Erinnerung und damit verbunden eine Erwartungshaltung darf man aber frühestens beim 6-9 monatigen Kind erwarten. Viele junge Kinder in den ersten Lebensmonaten können noch nicht selber einschlafen und brauchen mindestens zeitweise die Hilfe der Eltern. Nach dem Alter von 6-9 Monten verbindet das Kind das Einschlafen mit der Nähe der Eltern, mit gehalten und gewiegt werden und es kann möglicherweise ohne die Hilfe der Eltern nicht mehr einschlafen.

 

Die Fragen wurden von Frau Dr. Caroline Benz, Oberärztin 

Entwicklungspädiatrie am Kinderspital Zürich, beantwortet.

Quellen/Links

Auf der folgenden Webseite des Zürcher Kinderspitals: 

Schlafzentrum am Kinderspital Zürich finden Sie viele weitere Informationen sowie den Fragebogen und das Schlafprotokoll, falls Sie eine Schlafberatung in Anspruch nehmen möchten.

Zentrum für Schlafmedizin
Steinwiesenstrasse 75
8032 Zürich
Tel. 044 / 266 75 92